INNOVATOR by The Red Bulletin: "Time to Fail"

Heiter scheitern: Fuckup-Nights-Gründer Dejan Stojanovic über den Reiz von Fehlern.
Und: 5 Tipps, wie deine Idee garantiert floppt.

Fuckup Nights (FUNs) sind Veranstaltungen, bei denen Entrepreneure vor Publikum über ihre größten Fehler und die Lehren daraus sprechen. Serial Entrepreneur und Unternehmensberater Dejan Stojanovic, 38, hat die Event-Serie aus Mexiko 2015 nach Österreich gebracht und veranstaltet seitdem regelmäßig die Fuckup Nights Vienna. Er will damit zeigen: Innovation braucht die Bereitschaft zum Scheitern. Und Scheitern bringt dich weiter.

Innovator: Wie steht es um die Fehlerkultur in Österreich?

Dejan Stojanovic: Wir haben hier tendenziell eher eine „Blame Culture“.

Also die Suche nach einem Schuldigen.

Genau. Er war’s, sie war’s. Oder man kehrt den Fehler aus Angst vor den Konsequenzen unter den Teppich – und fragt viel zu spät: Was war die Ursache des Fehlers? Wie kann man ihn abstellen?

Das Problem liegt also schon in der Fragestellung?

Wenn man mich fragt, wie man Fehler abstellen oder beseitigen kann, erwartet man ein Zutun von mir, es besser zu machen. Werde ich gefragt, wer schuld ist, lehne ich mich zurück und warte auf die Strafe. Das ist kontraproduktiv.

Was wäre produktiv?

Sich als Führungskraft hinzu­ stellen und zu sagen: „Ich habe etwas falsch gemacht.“ Das ist eine kraftvolle Message und zeigt, dass es okay ist, Fehler zu machen. Es wird für niemanden Konsequenzen geben, höchstens Dankbarkeit, da der Schaden im Unternehmen nicht größer wird.

“Über Fehler offen zu sprechen und dabei zu lachen ist unglaublich inspirierend.”


Und bei den Fuckup Nights wird diese Kultur vorgelebt?

Fuckup Nights sind eine Möglich­keit, das Thema Scheitern zu enttabuisieren. Unsere Speaker auf der Bühne zeigen, dass Fehler jedem passieren und nur ein Schritt am Weg zum Erfolg sind.

Was haben die Speaker von ihrem Auftritt?

Emotionen. Anerkennung. Wert­schätzung. Menschen zu helfen, nicht denselben Fehler zu begehen wie man selbst, tut jedem gut.

Und wie profitieren Besucher?

Sie sehen, dass über Fehler offen gesprochen und dabei gelacht werden kann. Das ist unglaublich inspirierend. Manche wollen am liebsten gleich in die Arbeit, um diese Kultur auszuleben.

www.fuckupnights.at/summer-edition

Der Weg zum Fuckup

Um aus Fehlern zu lernen, musst du erst selbst welche machen. Hier sind fünf Klassiker:

1. Zieh immer alles allein durch

Du hattest die Idee, also verwirklichst du sie auch. Und zwar nur du. Ein Partner mag zwar ein anderes Skillset mitbringen, aber er hat auch eine andere Meinung. Und das führt zu Streit. Und Business-Angels? Die sollen dich mit ihren verstaubten Weisheiten bloß in Frieden lassen.

2. Warte, bis alles perfekt ist

Warte so lange wie möglich, bevor du mit deiner Idee an die Öffentlichkeit trittst – schließlich muss jedes noch so kleine Detail perfekt sein. Und Details brauchst du viele: Features, Features, Features – nur so kannst du dich von der Konkurrenz abheben. Sobald die Nachfrage größer ist, werden die Kunden alle Features dann auch nutzen.

3. Pfeif auf Marketing

Du bist verliebt in dein geniales Produkt. Also werden die anderen das garantiert auch sein. Sie müssen sich nur Zeit nehmen, um es zu entdecken und zu verstehen. Wozu überhaupt die Werbetrommel rühren? Eben. Das wäre bloß eitel.

4. Sorg dich nicht ums Geld, ist ja nicht deins

Das Kapital kommt von den Investoren. Und die werden auch nachlegen, wenn es nicht so läuft wie im Business-Plan beschrieben. Die Hektik und Hysterie der anderen? Die wird sich schon noch legen.

5. Teure Berater: je mehr desto besser

Weil du „lean“ bleiben möchtest, lagerst du komplette Arbeitsbereiche an externe „Experten“ aus. Je mehr, desto besser. Dass deine Ideen oft nicht so umgesetzt werden, wie du dir das vorstellst, und jeder neue Auftrag teuer ist, kannst du nicht wissen.