CORONA IST EIN GLOBALES FUCKUP | START UP

Es wäre jetzt die Zeit, Insolvenzen und Konkurse zu enttabuisieren, nach dem Motto: “Mach dir nichts draus, ist nicht dein Verschulden”.

Der Begriff umschreibt das Thema Scheitern. Dejan Stojanovic veranstaltet Fuckup Nights und kann jede Menge positive Energie im Scheitern erkennen.

Wie wird Scheitern in Österreich empfunden bzw. wie  kann man aus einem Fuckup lernen?

Stojanovic: Als ich mein Startup gegründet habe, habe ich schnell bemerkt wie schwierig es ist. Vielen Menschen, Geschäftspartnern und Kunden  fehlt der  Mut.  Das  typisch  Österreichische:

´Schaun ma mal´ ist  kontraproduktiv.  In Österreich will man immer erst das beste, das perfekte Resultat erzielen, aus Angst, man könnte sich sonst blamie- ren. Es ist besser mit einem schlechteren Produkt auf den Markt zu gehen, dafür schneller. Das Kundenfeedback ist die Währung, die man dafür erhält. Schei- tern ist nicht schmerzhaft, sondern oft nur eine Feedbackschleife. Es gibt einen Startup-Spruch der lautet: ´Wenn du dich mit deinem ersten Prototypen nicht bla- mierst, bist du schon zu spät am  Markt´.

Wann erkennt man den Zeitpunkt, dass man gescheitert ist?

Stojanovic: Die 150 Speaker und En- trepreneure, die ich im Laufe meiner Fuck- up Nights einladen durfte, hatten alle eines gemeinsam: Sie alle sagten: ´Ich hätte früher auf mein Bauchgefühl hören müssen´. Man redet  sich  im Kopf  vieles  schön, obwohl es im Bauch schon ordentlich zwickt. Ein Projekt zu stoppen ist kein Scheitern. Aus der Helikopterperspektive eröffnet das ver- meintliche Scheitern in einem Projekt neue Chancen in einem anderen.

In Österreich scheint eine Kultur des Scheiterns noch in den Kin- derschuhen zu stecken. Warum? 

Stojanovic: Als ich im Silicon Valley war hatte jeder, vom Taxifahrer bis zur Verkäu- ferin beim Bäcker, den selben Mindset. Sie meinten: ´Keine Ahnung was du da machst, aber I like your passion´. Bei uns gibt es neben  dem  `Schaun  ma  mal´  auch das:

´Lass es doch einfach sein´. Aber Grün- der versuchen das Leben zu verbessern, es müsste also seitens der Gesellschaft heißen: Mir taugt deine Energie´.

Es wird immer wieder davon gesprochen, dass es durch Coro- na zu einer Pleitewelle kommen könnte. Was raten Sie insolven- ten Unternehmen?

Stojanovic: Corona ist im Grunde ein globales Fuckup, für das wir nichts dafür- können. Deshalb wäre es jetzt an der Zeit, Insolvenzen und Konkurse zu enttabuisie- ren. Nach dem Motto: ´Mach dir nichts draus, ist nicht dein Verschulden.´